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Schau „Süderbrarup am Abend 2017“

Eine Gala für die Anglerzucht in Schleswig-Holstein

Nach vier Jahren langer Abstinenz hatte der Verband der Angler-Rinderzüchter (VAR) am Donnerstag den 04.Mai 2017 endlich wieder einmal in die Angelnhalle geladen, um gemeinsam mit allen Züchtern und Liebhabern des Angler-Rotvieh einen Abend ganz im Zeichen der Rinder mit der charakteristischen, tiefroten Fellfarbe zu zelebrieren. Etliche Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Verbänden und befreundeten Organisationen waren an diesem Abend nach Angeln gereist, und wurden von Lorenz Engelbrecht, Vorsitzender des VAR, in seiner Eröffnungsrede mit freudigen Worten in Empfang genommen.

Aus vier verschiedenen Kreisen Schleswig-Holsteins kamen Anglerrinder nach Süderbrarup, die Weitgereisteste von ihnen aus dem südlichen Kreis Steinburg. Man konnte also mit Fug und Recht von einer Angler-Landesschau sprechen. Lorenz Engelbrecht wünschte allen Gästen und Zuschauern, sowie auch den teilnehmenden Züchtern einen tollen Abend und viel Freude an den aufgetriebenen jungen und alten Kühen, die durch ihre hohe Qualität auf spannende Entscheidungen hoffen ließen. Die sollte an diesem Abend Preisrichter Dirk Schmüser aus dem mecklenburgischen Granzin fällen.

„Nacets“ schöne Töchter

Den Auftakt im Schauring machte eine Nachtzuchtgruppe mit zweikalbigen Töchtern des Bullen „Nacet“ der Rinderzucht Schleswig-Holstein eG (RSH). Der „R-Facet“-Sohn stammt aus der sehr leistungsstarken Ausnahme-Kuhfamilie der „Zober“-Tochter „Fibrille“ aus dem Betrieb Paulsen-Schlüter in Tolk. „Fibrille“ selbst, „Nacets“ Großmutter, ist mit VG89 bewertet, stand in ihrem Leben mehrmals an der Spitze der Angler-Jahresleistungen und hat inzwischen über 92.000 kg Lebensleistung erbracht. „Nacets“ Mutter „Lucille“ verfügt neben einer ebenfalls hohen Milchleistung über einige beachtliche Schauerfolge. Die „Nacet“-Töchter überzeugten durch Uniformität, harmonischen Körperbau und bewegten sich dank ihrer sehr guten Fundamente flüssig durch den Ring. Seine Färseneignung konnte er bei nunmehr 560 geborenen Kälbern mit einem RZKd von 103 ebenfalls unter Beweis stellen. Als Nachzuchtsiegerin des Abends erkor Dirk Schmüser aufgrund ihrer sehr guten Beckenstellung und des sehr guten und festen Euters die Katalognummer (Nr.) 5, „Rabea“ von Jürgen Schmidt aus Ulsnis. Erfahrene Schaukenner waren bei dieser ersten Rangierung des Tages zunächst etwas verdutzt, denn in Süderbrarup hieß es: „Dänische Aufstellung“. So wurde in jeder Klasse nicht die erste, sondern immer die letzte Kuh der Rangierung zuerst zur Aufstellung gebeten, genau anders herum als bei sonstigen Schauen üblich.

Die „jungen Wilden“

 Den schönen Töchtern des „Nacet“ folgte der Schaunachwuchs im Ring, die Klassen der jungen Kühe mit ein oder zwei Kalbungen. Leider hatte das starke Starterfeld wetterbedingt einige Ausfälle zu beklagen, dafür war die Qualität der teilnehmenden jungen Kühe außerordentlich hoch. In der ersten Klasse setzte sich die Nr. 16, „Ilex“-Tochter „Saturn“, mit ihren guten Fundamenten und den gleichmäßigen Eutervierteln an die Spitze. „Saturn“ kennt die große Bühne quasi von klein auf, denn zur Gravert GbR in Lindau kam sie mittels Losglück über die „Auktion am Abend 2015“, als Verlosungskalb. Auf den 1b-Rang zog mit flüssigen Bewegungen die sehr euterstarke „R Fastrup“-Tochter „Silvana“ von Wiebke und Vinzenz Andersen in Rosgaard, gefolgt von „Saskia“, einer „Gobax“-Tochter von der Milch GbR Sorgenfrei in Satrup. In der sehr stark besetzten zweiten Klasse überzeugte die Nr. 26, „Sophia“, eine „Rockstar“-Tochter von Markus Fuschera-Petersen aus Fahrdorf, Vollschwester des genomischen RSH-Vererbers „Schlei“. Knapp dahinter auf dem 1b-Rang platzierte sich die durch ihr Alter schon etwas weiter entwickelte „Oke“-Tochter „Sana“ von Hans Jürgen Tiemer, Osdorf, mit ihrem hoch angesetzten Euter. Die „VR Balfa“-Tochter „Saira“ von Hans-Henning Martensen aus Gulde sicherte sich in dieser Klasse den 1c-Rang. Die dritte Klasse, die erste Klasse der zweikalbigen Kühe, stellte Dirk Schmüser vor eine wirklich knifflige Entscheidung. Die Kühe der Klasse waren sehr unterschiedlich, aber jeder einzelnen attestierte Schmüser ihre speziellen Vorzüge. Am Ende stand Nr. 34, „Rias“, die „Impalu“-Tochter von Iwer Thomsen aus Stoltebüll ganz vorne, sehr typstark und mit einem fest in die Bauchdecke laufenden Vordereuter ausgestattet. RSH-Vererber „Imaplu“ stelle auch die die Zweit- und Drittplatzierte dieser Klasse, „Rieke“ von Claus-Heinrich Jacobsen aus Holtsee und „Rexona“ von Wiebke und Vinzenz Andersen, Rosgaard. Den Abschluss der jungen Kuhklassen machte die schwierig zu richtende Klasse vier, in der ebenfalls wieder drei Töchter des „Impalu“ im Ring antraten. Zur besten unter ihnen wurde Nr. 39, „Retina“  von Hans-Willi Brix aus Ekenis gekürt, mit einer tollen Beckenlage, guter Euterhöhe und sehr harmonischen Bewegungen. Ihr folgte „Hexer“-Tochter „Poesie“ von der Gimm GbR in Schnarup-Thumby, laut Dirk Schmüser eine „ebenfalls fast perfekte Kuh“. Eine weitere „Imaplu“-Tochter,  „Isolde“ von Heiner Staggen aus Rendswühren, komplettierte das Trio an der Spitze der Klasse.

Genomics in Angeln

Bevor die acht auf 1a und 1b platzierten Kühe der jungen Klassen nochmals in den Ring ziehen sollten, um sich um den Titel „Sieger jung“ zu bewerben, galt es seitens der Rotviehzüchter „Dankeschön“ zu sagen, und zwar an Friedrich Reinhardt, VIT-Bereichsleiter Biometrie und Zuchtwertschätzung und Matthias Leisen, Geschäftsführer der RSH. In einem gemeinsamen Projekt haben sie es mit unermüdlichem Engagement geschafft, das deutsche Rotvieh in die für Holsteins bereits seit 2009 etablierte genomische Zuchtwertschätzung einzubinden. Seit dem Jahr 2016 gibt es auch für deutsche Rotvieh-Jungbullen ohne Töchterbewertung Zuchtwerte mit einer ausreichenden Sicherheit. So kann durch die Verkürzung des Generationsintervalls der Zuchtfortschritt dieser kleinen Rasse deutlich Fahrt aufnehmen. Im Namen des VDR bedankte sich Christina-Johanna Paulsen-Schlüter mit einem kleinen Präsent für „das sicherlich harte Stück Arbeit“  bei diesen beiden Zuchtpionieren.

In der folgenden Siegerauswahl der jungen Klassen konnte sich die Siegerin der dritten Klasse, die zweikalbige „Impalu“-Tochter „Rias“, mit ihren guten Fundamenten, den harmonischen Übergängen und dem guten Euter durchsetzen. Der Reservesiegertitel ging an „Saturn“ von „Ilex“ von der Gravert GbR, die ebenfalls durch ihr hohes und festes Euter bestach.

Mittlere Kuhklassen

Klasse fünf, die erste Klasse der mittleren Kuhklassen, war den dreikalbigen Kühen vorbehalten. Eine „Prinzessin“ stand hier am Ende ganz vorne- die „R Facet“-Tochter von Wiebke und Vinzenz Andersen mit der Nr. 47 überzeugte durch ihren harmonischen Körper mit langer Mittelhand. „Haithabu“-Tochter „Pera“ von Michael Petersen aus Westerarkebyholz folgte auf dem 1b-Rang vor „Pizza“ von „R Fastrup“, ebenfalls von Wiebke und Vinzenz Andersen.  Die Kühe der sechsten Klasse hatten allesamt vier Kalbungen gemeistert, und in dieser Klasse sah Dirk Schmüser eine ganz klare Spitze heraustechen: Die Nr. 56, „Oslo“, die Tochter des RSH-Vererbers „Ladykiller“, abermals von Wiebke und Vinzenz Andersen, zeigte ein herrlich drüsiges, beadertes Euter und zugleich sehr korrekte Fundamente. Vorhandtiefe und Becken waren die Vorzüge der an 1b rangierten „R Gazelle“-Tochter „Noble“ von Claus-Heinrich Jacobsen, die sie an diesem Tag vor der kalibrigen, vorhandstarken „Nerz“ von Karsten Chrzanowski aus Scheggerott laufen ließen.

Vier herrliche Kühe standen nun also im Ring zur Siegerauswahl der mittleren Klassen, und Richter Dirk Schmüser hatte abermals die „Qual der Wahl“. Durchsetzen konnte sich am Ende die Siegerin der sechsten Klasse, die vierkalbige „Ladykiller“-Tochter „Oslo“ von Wiebke und Vinzenz Andersen, aufgrund ihrer Vorzüge in der Eutertextur. Wie auch schon in Klasse sechs folgte ihr „Noble“ von „R Gazelle“  vom Betrieb von Claus-Heinrich Jacobsen als Reservesiegerin der mittleren Klassen.

Echte Schaudiven

Ein echter Augenschmaus auf jeder Schau sind die Klassen der alten, bewährten Schaukühe, so auch an diesem Abend in Süderbrarup. Für Richter Dirk Schmüser waren die letzten beiden Klassen nach eigener Aussage „Richtentscheidungen auf absolut höchstem Niveau“. In der Klasse sieben der Kühe mit fünf Abkalbungen konnte sich, zum wiederholten Male an diesem Schauabend, eine Kuh mit einem RSH-Vererber als Vater durchsetzen. Die Nr. 69, „Eukal“-Tochter „Fanny“ von Heiner Staggen aus Rendswühren, überzeugte mit trockenen Fundamenten und flüssigen Bewegungen im Ring, und hatte für ihre fünf Kälber noch ein schön hoch sitzendes Euter. Auf 1b rangierte Dirk Schmüser „Nele“, eine Vollschwester des RSH-Vererbers „Nougat“ von Markus Fuschera-Petersen, die durch ihre Körpertiefe und ihr drüsiges Euter bestach, gefolgt von „Nordwind“, einer „Ristourn“-Tochter von Jürgen Melchertsen, Norgaardholz. In der achten und somit letzten Klasse des Abends hatte sich nochmal echte Angler-Prominenz im Ring versammelt: Die „Walter“-Tochter „Franka“ von Markus Fuschera-Petersen hatte als älteste Kuh der Schau unlängst die magischen 100.000 Mkg „vollgemacht“ und ist zudem die Großmutter des RSH-Bullen „Nougat“. Ihre Stallnachbarin mit der Nr. 73, die mit viel Körpertiefe ausgestattete „Fundus“-Tochter „Madonna“, ist die Mutter der genomischen RSH-Bullen „Saba“ und „Schlei“ und konnte sich in dieser eindrucksvollen Klasse auf dem 1c-Rang platzieren. Auf 1b stand vor ihr eine weitere bewährte Bullenmutter: Die sehr frische und milchtypische „Eukal“-Tochter „Lady“, die für den Betrieb von Claus-Heinrich Jacobsen schon etliche Schauerfolge einheimste, ist die Mutter der RSH-Vererber „Parfüm“ und „Roxy P“. Ganz vorne stand in dieser Klasse aber die Nr. 74, „Dragomir“-Tochter „Lina“ von Manfred Tobian aus Schwedeneck, die an diesem Abend durch ihre Frische und Körperharmonie, gepaart mit einem tollen Euter, komplett überzeugen konnte. Auch die folgende Siegerauswahl der alten Klassen hatten die Kühe der achten Klasse fest im Griff. Für Dirk Schmüser war „Lina“ von Manfred Tobian die klare Siegerin, den Reservesieg holte „Lady“ von Claus-Heinrich Jacobsen nach Holtsee.

Milchleistung pur

Bevor es an die Auswahl der „besten Euterkuh“  und als Höhepunkt an die Wahl des „Grand Champion“ ging, blieb ein wenig Zeit, noch eine besondere Angler-Erfolgsgeschichte zu erzählen: Eine hohe Milchleistung wird momentan im gesellschaftlichen Diskurs nicht immer positiv bewertet. Dabei ist es das Ziel eines jeden Milchviehhalters, langlebige und gesunde Kühe mit einer zugleich hohen Milchleistung im Stall stehen zu haben. Das eine solch hohe Leistung aber nur bei absolutem Wohlbefinden der Kuh erreicht werden kann, fällt in der Diskussion häufig unter den Tisch. Neben „Franka“, die als älteste Kuh auch mit der höchsten Lebensleistung (101.277 Mkg, 4,45% Fett, 3,67% Eiweiß) der Schau aufwarten konnte, überschritt auch „Cosima“  bei der Schumeier GbR aus dem niedersächsischen Lachendorf bei Celle längst die 100.000 Mkg-Grenze. Die bei Jens Callsen in Boren geborene „Unna“-Tochter, deren Mutter bereits bei „Neumünster am am Abend“ einen  Siegertitel „alt“ gewinnen konnte, wurde 2002 über die damals noch stattfindende Angler-Auktion in Süderbrarup an die Familie Schumeier verkauft. Seitdem bereitet sie ihnen viel Freude, und auch ihre Tochter hat sich bereits als außerordentlich leistungsstarke Kuh im Stall in Lachendorf bewährt. Familie Schumeier war an diesem Abend extra nach Süderbrarup gereist, um im Namen des VDR eine Angler-Rinderdecke und einen Gutschein über zwei Protionen gesextes Sperma aus den Händen von Christina-Johanna Paulsen-Schlüter entgegen zu nehmen. So hofft der VDR auf weiteren dunkelroten Nachwuchs in Niedersachsen.

„Schönste der Schönen“

Nun sollte es gegen 22.30 Uhr zum lang erwarteten Höhepunkt der Schau kommen. Zuerst hatten sich die ausgewählten acht Klassensiegerinnen des Euterkuhwettbewerbs aufgestellt, um die Kuh mit dem besten Euter der Schau zu küren. Auch hier führte, wie schon in bei der Siegerauswahl der alten Kuhklassen, kein Weg an der „Dragomir“-Tochter „Lina“ von Manfred Tobian vorbei. Seine Tochter Jana, die „Lina“ an diesem Abend vorführte, kam in Anbetracht des riesen Erfolges aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus. Doch es sollte noch viel besser kommen. Im Ring standen als allerletztes Bild des Abends die drei Siegerkühe „jung“ „mittel“ und „alt“-  Nr. 34, „Rias“, Nr. 56 „Oslo“ und Nr. 74, „Lina“. Es wurde still auf den Rängen, und Dirk Schmüser nahm sich nach der Aufstellung auch noch ein paar Minuten Zeit seine Entscheidung abzuwägen. Doch dann stand die Siegerin fest: Das Licht erlosch, und als die Strahler der Angelnhalle wenige Augenblicke später wieder aufleuchteten, stand nur noch eine Kuh im Ring. Die „Schönste der Schönen“ war an diesem Abend „Lina“, die „Dragomir“-Tochter, die somit überlegen alles gewonnen hatte, was es an diesem Schauabend für sie zu gewinnen gab: Ihre Klasse, ihre Siegerauswahl, die Wahl zur besten Euterkuh der Schau und nun auch den „Grand Champion“-Titel. Was für ein grandioser Erfolg für den kleinen Züchterstall aus Schwedeneck.

Der VAR bedankt sich ganz herzlich bei allen unermüdlichen Helfern, die diesen Abend zu einem ganz besonderen Highlight im Kalender der Rotviehzucht haben werden lassen. Ein weiterer Dank gilt den zahlreichen großzügigen Sponsoren, die den Züchtern eine verdiente Belohnung für ihren großen Aufwand ermöglichen, und zu guter Letzt sei natürlich auch den teilnehmenden Züchtern herzlich gedankt, dass sie mit ihren wunderbaren Tieren den Zuschauern einen so wunderbaren Abend beschert haben. Wir freuen uns bereits auf die nächste Ausgabe von „Süderbrarup am Abend“ in der Angelnhalle.

Melanie Gockel, RSH eG


10.05.17 15:57 Uhr





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