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Ehrenpreis der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Kontinuierliches Wachstum und hoher Kuhkomfort für das Anglerrind

Familie Andersen freut sich über den Ehrenpreis

 

Ganz im Norden von Schleswig-Holstein liegt Rosgaard, auf dem Grund einer ehemaligen Burganlage in der Gemeinde Wees, leicht südlich von Glücksburg und der Halbinsel Holnis. Hier liegt der Betrieb der Familie Andersen, der am 20. September 2018 gleich eine ganze Delegation freudiger Gratulanten in Empfang nehmen konnte. Für ihre vorbildlichen Leistungen im Bereich der Rinderzucht, die sie immer wieder durch alte, gesunde und hochleistende Kühe sowie tolle Ergebnisse auf den Tierschauen im Land unterstreichen konnte, sollte die GbR der Familie Andersen an diesem Tag den „Ehrenpreis der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein für beispielhafte Leistungen in der Tierhaltung“ erhalten.

Kontinuierliche Wachstumsschritte

Vinzenz Andersen, der eigentlich von einem landwirtschaftlichen Betrieb in der Nähe von Reutlingen im Allgäu stammt, zog es durch den Dienst bei der Bundeswehr in den hohen Norden, wo er dann seine Frau Wiebke kennen und lieben lernte. So übernahmen die beiden zusammen im Jahr 1994 den Betrieb mit damals 34 Milchkühen aus den Händen von Wiebke Andersens Eltern Matthias und Christa. Damals lag die Durchschnittsleistung des Betriebes, der schon immer die in der Region heimischen Angler-Rinder gehalten hat, bei rund 6.600 kg Milch mit 4,90% Fett und 3,60% Eiweiß. Von nun an wuchs der Betrieb, trotz der anfangs knappen eigenen Flächenausstattung, unter der Leitung von Vinzenz und Wiebke stetig und konnte dann durch Zukauf- und Pachtflächen ausgeweitet werden. Heute umfasst die Herde 265 Milchkühe mit einer Durchschnittsleistung von 8.592 kg Milch bei 4,20 % Fett und 3,64 % Eiweiß. Insgesamt 188 Hektar (ha) Land bewirtschaften Vinzenz und Wiebke Andersen nun zusammen mit zwei weiteren Mitarbeitern und einem Auszubildenden. 35 ha hiervon sind Eigenland, 137 Hektar Pachtland und für zusätzliche 16 ha wurde ein Bewirtschaftungsvertrag abgeschlossen. 46 ha davon entfallen auf Mähweide mit 4-5 Schnitten, 85,5 ha Silomais, 42,3 ha auf Winterweizen, 3,2 ha auf Wintergerste und 11,5 ha sind Extensivweide zur Jungviehaufzucht und Heubergung. „Das alles hier ist nicht mein Betrieb, sondern das schafft die Familie nur zusammen“ betonte Vinzenz Andersen bei seiner Begrüßungsrede. Die Familie besteht neben Wiebke und Vinzenz mittlerweile auch aus den drei Kindern Marika, Philip und Annelie, die natürlich an diesem wichtigen Tag nicht fehlen durften. Trotz deren tatkräftiger Unterstützung ist auf dem expandierten Betrieb so viel zu tun, dass Vinzenz Andersen gerne zusätzlich noch zwei Fremdarbeitskräfte und einen Auszubildenden anstellen würde, um die Arbeit gemeinsam zu schultern. Doch wie in vielen handwerklichen, körperlich arbeitsintensiven Berufszweigen ist es auch in der heutigen Landwirtschaft zunehmend schwer geworden, qualifizierte und motivierte Mitarbeiter für den Betrieb zu gewinnen, weiß Andersen aus Erfahrung zu berichten.

Auch die Zahl der Betriebsgebäude wuchs, mit den steigenden Anforderungen durch die Expansion, nach und nach mit. Der bereits 1978 gebaute Bullenstall wird heute für die Jungviehaufzucht genutzt, 1993 und 1998 entstand jeweils ein Laufstall mit 130 Liegeboxen. 2000 wurde eine neue Güllelagune mit 1200 m³ Fassungsvermögen errichtet, 2002 eine neue Futter- und Maschinenhalle. Seit 2008 haben auch die Trockensteher auf dem Betrieb einen eigens gebauten Bereich mit bequemer Tiefstreu, hier finden immer rund 30 Tiere Platz, um sich auf die kommende Abkalbung vorzubereiten. 70 weitere Plätze für Jungvieh wurden durch die Pacht eines rund sieben Kilometer entfernten Liegeboxenstalles 2010 geschaffen, denn nur durch gute Aufzuchtbedingungen kann auch nach Meinung des Betriebsleiters ein sicherer Start in ein langes, gesundes Milchkuhleben gewährleistet werden.

Eine große Investition in die Zukunft stand dann 2013 an, als der gesamte Arbeitsbereich des Melkens neu konzipiert werden sollte. Vinzenz und Wiebke Andersen entschieden sich nach reiflicher Überlegung für ein 28er Melkkarussell: „Es ist einfach die ruhigste Art viele Kühe zu melken. Zudem ist es gerade dann besonders effektiv, wenn man nur eine Person zum Melken im Einsatz hat“ bemerkt Vinzenz Andersen, als er den Gratulanten beim Rundgang über seinen Hof das Karussell mit dem vorgelagerten Wartehof für 120 Tiere zeigt. Den momentanen Abschluss einer Reihe von aufwendigen Investitionen in neue Gebäude macht der neue, ebenfalls im Jahre 2013 gebaute Liegeboxenstall mit 95 Liegeplätzen, 20 Plätzen im Strohbereich und einer separaten Selektion.

Der roten Rasse immer treu

Während sich auf dem Betrieb in Rosgaard in den vergangenen Jahren sicherlich vieles gewandelt hat, so blieb doch eine Konstante immer bestehen: Das typisch dunkelrote, inhaltsstoffstarke Anglerrind. Vinzenz Andersen besamt als Eigenbestandsbesamer seine Kühe selbst und setzt dabei vor allem auf genomische und töchtergeprüfte Vererber der RSH eG. Stark zum Einsatz kamen gerade in der letzten Zeit „Twix“, „Uran“, „Thron“ sowie die bewährten Vererber „Riga“ und „Punkt“. Zu „Twix“ und „Thron“ hat Vinzenz Andresen eine besondere Beziehung. Er besamt seine Kühe nicht nur mit dem Sperma der RSH-Vererber, sondern aus seinem Betrieb gehen auch immer wieder junge Angler-Bullenkälber mit guten Zuchtwerten auf die Station bei der RSH eG, um dort Zuchtfortschritt zu generieren. Neben den beiden eben genannten Bullen sind mitunter auch Didolum, Gobax und Sachs in Rosgaard auf die Welt gekommen. Doch durch die kleine Population der Angler in Schleswig-Holstein muss natürlich auch züchterisch immer wieder nach alternativen Blutlinien gesucht werden, um die genetische Vielfalt innerhalb der Rasse möglichst breit zu halten. Hierfür kommen auf dem Betrieb Andersen vor allem Bullen wie VR Viljar, VR Hipster oder VR Filur vom dänischen Anbieter Viking Genetics zum Einsatz. Mit Viking Genetics pflegt die RSH eG im Bereich des Rotviehs eine enge Zusammenarbeit, und konnte Anfang des Jahres 2016 die erste, auf genomischen Zuchtwerten der Tiere basierte Zuchtwertschätzung mit Hilfe des VIT in Verden veröffentlichen. Auf der Basis von circa 8.000 typisierten töchtergeprüften Vererbern und rund 12.000 weiblichen Tieren aus den Ländern Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Deutschland erreichte man eine ausreichend solide Datensicherheit. Die Sicherheiten der genomischen Angler-Zuchtwerte liegen momentan bei ca. 60 %.

Gefüttert wird der Andersen GbR bereits seit 1998 in drei Leistungsgruppen mit Voll-TMR, und Vinzenz Andersen lässt während seinen Ausführungen keinen Zweifel daran, dass er von dem Konzept der Voll-TMR auch vollkommen überzeugt ist.  Sie besteht in seinem Fall neben 70% im Shredlage-Verfahren aufbereiteter Maissilage zudem aus fast 30% Grassilage, angereichert mit Biertreber, einer Protein-Vormischung, Raps-Expeller und einer Vormischung zur Aufwertung der Energie der Ration. Angepasst wird die Energiedichte zum einen auf die Gruppe der hochleistenden Tiere, auf Altmelker und Trockensteher und auf eine Färsengruppe. Die Kälber erhalten zwölf Wochen eine angesäuerte Ad libitum-Tränke und kommen dann zur Jungviehaufzucht entweder in den eigenen Pachtstall oder werden zur Aufzucht extern abgegeben. Den Sommer genießen die tragenden Jungtiere in der Regel auf der Weide.

Tolle Schauerfolge mit Spitzenkühen

Neben der alltäglichen Arbeit auf dem Betrieb schätzen nicht nur Vinzenz, sondern auch seine Kinder  das Bauchkribbeln und die besondere Atmosphäre auf den Tierschauen im Land. Während Marika, die älteste des Trios, mittlerweile der Liebe wegen in Bayern zu Hause ist, begleiten Annelie und Philip ihren Vater immer gerne mit den Tieren aus dem heimischen Stall, zum Beispiel zu „Süderbrarup am Abend“, der Schau des Verbandes der Angler-Rinderzüchter, und natürlich auch zur großen Verbandsschau „Neumünster am Abend“ in die Holstenhallen. Auf beiden Veranstaltungen konnte Familie Andersen in den letzten Jahren wirklich tolle Erfolge erringen: 2014 stellte der Betrieb mit „London“ die Siegerin der jungen Angler-Klassen, deren Vater „Didolum“ auch aus der Zucht der Andersen GbR stammt. Ein Familienerfolg also, wie er im Buche steht. Bei der nächsten Ausgabe im Jahr 2016 schaffte es „Impalu“-Tochter „Purzel“ als Reservesiegerin auf den Silberrang der jungen Angler-Klassen.

In den Jahren 2017 und 2018 reihte sich dann Erfolg an Erfolg: Die (5) VG87 bewertete „Ladykiller“-Tochter „Oslo“ konnte bei „Süderbrarup am Abend 2017“ den Siegertitel der mittleren Kuhklassen gewinnen, und 2018 eroberte Familie Andresen bei „Neumünster am Abend“ mit „Rexona“ (3) VG88 von „Impalu“ und der „R Fastrup“-Tochter Nordica, die mittlerweile in der neunten Laktation mit 88 Punkten VG bewertet ist, gleich beide obersten Podestplätze bei den alten Anglerkühen. Besonders schön war es zu sehen, dass die hochdekorierten drei Damen sich natürlich auch für die Verleihung des Ehrenpreises in Reih und Glied gestellt hatten, und dem Publikum nochmals von Marika, Annelie und Philip vorgestellt wurden. So konnte jeder Zuschauer verstehen bildlich, warum diese Kühe bereits Siegerschärpen um den Hals tragen konnten. Zudem zeigten die drei Vorführer nochmals, dass sie in Ihrer aktiven Zeit als Jungzüchter nicht nur das nötige Rüstzeug zum optimalen Präsentieren der Kühe gelernt hatten, sondern auch dort etliche vordere Platzierungen einheimsen konnten.

Zahlreiche Gratulanten

Der Präsident der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Claus Heller, der ebenso wie die zahlreichen anderen geladenen Gäste aus Ministerium, Verbänden und Zuchtausschuss in den nördlichsten Teil des Bundeslandes gereist war, zeigte sich beeindruckt von der Bauweise des Betriebes und der hohen Qualität der präsentierten, landestypischen Angler-Rinder. Er würdigte nicht nur die Arbeit der Familie Andersen auf ihrem Betrieb, sondern auch in den zahlreichen Ehrenämtern, die Wiebke und Vinzenz Andersen für den Zuchtverband oder auch die Gemeinde übernommen haben. Auch den Mut der Familie zur Vergrößerung und vor allem Innovation des Betriebes lobte Heller. Ende 2017 erst hatte Familie Andersen damit begonnen zusammen mit einer mobilen Käserei aus der inhaltsstoffreichen Anglermilch Käse zu produzieren, der nun in den Regalen eines Hofladens in der Nachbarschaft und des regionalen Einzelhandels liegt. Ab Herbst 2018 soll ein Bauernhofpädagogik-Projekt folgen, der Blick über den Tellerrand der reinen Milchproduktion bleibt also gesichert. Voller Stolz überreichte Claus Heller im Anschluss daran den bekannten Bronzeteller für den „Ehrenpreis der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein für beispielhafte Leistungen in der Tierzucht“ an die Familie Andersen, die nun durch die Eltern Matthias und Christa Andersen als ehemalige Betriebsleiter und Altenteiler komplettiert wurde.

Auch Knud-Detlef Andresen, Vorstandsvorsitzender der RSH eG, ließ es sich nicht nehmen, an diesem Ehrentage noch ein paar Glückwünsche auszusprechen.  Seit  vielen Jahren ist die Andersen GbR nicht nur aus dem Schau- und Zuchtgeschehen nicht mehr wegzudenken, sondern hat, wie es sich für einen Vorzeigebetrieb gehört, immer die Türen geöffnet für in- und ausländische Besuchergruppen, gerade wenn es darum geht, die Anglerrasse über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinweg zu präsentieren. Durch den hohen Innovationsgrad des Betriebes ist er natürlich auch für Auszubildende eine hochattraktive Anlaufstelle und trägt damit eine zusätzliche wichtige Funktion in der Gestaltung der landwirtschaftlichen Zukunft. Somit freut sich an diesem Tag natürlich auch die RSH eG besonders für sein Mitglied, die Andersen GbR in Rosgaard, über diesen verdienten Preis für die letzten fast nun 25 Jahre hervorragende Arbeit ganz im Zeichen der modernen Rinderzucht und-haltung.

Herzlichen Glückwunsch!

 

Melanie Gockel RSH eG

 

 

 

 


27.09.18 18:15 Uhr





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