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Deutsches Rotvieh



Rotvieh/Angler gibt es wahrscheinlich schon seit über 5000 Jahren in Deutschland. In Angeln (Schleswig-Holstein) wird es um 1600 erstmals schriftlich erwähnt. Bereits seit 1830 findet eine planmäßige Zuchtarbeit statt und ab 1879 gab es eine zentrale Herdbuchführung in Süderbrarup. Schon damals gab es eine zentrale Kommission, die alle Bullen der Rasse körte. Seit 1906 sind alle Herdbuchtiere auch der Milchleistungsprüfung angeschlossen.

Als milchbetonte Rinderrasse mit hohen Eiweißprozenten steht das Angler-Rind heute in Konkurrenz insbesondere zu den Schwarz– und Rotbunten. Um die Konkurrenzfähigkeit und eine große genetische Vielfalt in der Population zu erhalten, werden in die Angler-Rotviehkuh heute auch fremde Gene der Rasse RDM (Dänemark), SRB (Schweden) und Red Holstein eingeführt.

Das heutige Zuchtziel des Deutschen Rotviehs ist auf 9 500 kg Milch mit 4,5 %-Fett und 3,8 %-Eiweiß ausgerichtet. Die ausgewachsenen Kühe sollten etwa 145 cm Kreuzbeinhöhe und ein Lebendgewicht von 650 kg erreichen.

Die Rasse zeichnet sich aus durch:

  • ökonomisches Verhältnis von Gesamtfutteraufwand zur Milchleistung
  • hohe Eiweißwerte
  • ausgezeichnete Fundamente und Klauen
  • Anpassungsfähigkeit
  • leichte Kalbungen und geringe Kälberverluste
  • gute Eutergesundheit – geringe Zellzahlen

Die Jungrinder sind frohwüchsig, frühreif und kalben problemlos im Alter von 24 Monaten ab. Jungbullen haben gute Zuwachsraten und erreichen mit zwölf Monaten ein Lebendgewicht von 400 kg. Auch für die Produktion von rosa Kalbfleisch (Schlachtkörpergewicht 145 kg) sind die Tiere hervorragend geeignet. Die Leistung des Rotviehs ist in allen Zuchtgebieten durch hohe Inhaltstoffe geprägt. Durch konsequente Selektion wurde im Zeitraum von 1994-2003 in Angeln eine Leistungssteigerung erreicht von:

+ 1 419 kg-Milch + 48 kg-Fett + 50 kg-Eiweiß

Daraus resultiert ein jährlicher Leistungszuwachs von:

+ 158 kg-Milch + 5,3 kg-Fett + 5,5 kg-Eiweiß 

Vergleichbare Leistungssteigerungen wurden auch in anderen Rotviehzuchtgebieten erzielt. In Deutschland sind rund 20 000 Rotviehkühe der Milchleistungsprüfung angeschlossen, von denen 15 000 im Herdbuch registriert sind. Letztere bilden die aktive Zuchtpopulation, aus der jährlich 100 Bullenmütter für das Zuchtprogramm nach Leistung, Typ, Euter- und Fundamentmerkmalen selektiert und neben einigen hervorragenden Jungrindern mit den besten Vererbern zur Erzeugung der nächsten Bullengeneration gepaart werden. Aufgrund des enormen Leistungsvermögens wird das Deutsche Rotvieh schon sehr lange zur Verbesserung der einheimischen Rotviehpopulationen in folgenden Ländern eingesetzt: Estland, Lettland, Litauen, Russland, Ukraine, Kasachstan, Polen, Dänemark und Australien. In jüngster Zeit wurde das Deutsche Rotvieh auch nach Algerien, Saudi Arabien, Japan, Holland, Italien, Kanada, Chile, Spanien, Neuseeland und in die USA exportiert.

Durch die Mitgliedschaft in der Vereinigung der „European Red Dairy Breed“ (ERDB) pflegen die Rotviehzüchter Deutschlands eine enge internationale Zusammenarbeit. Darüber hinaus gehören sie dem weltweiten Zusammenschluss der Züchter der Roten Rasse (International Red Cow Club-IRCC) an. So ergeben sich viele Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch und darüber hinaus zum weltweiten Austausch der besten Genetik. Damit ist die Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit der Rotviehrasse gegenüber den anderen bedeutenden Rinderrassen auch zukünftig gewährleistet.

Artikel: C.-P. Tordsen



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